Chili Guide / FAQ

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Fairbanks BBQ
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21.01.2012, 14:45

Letztes update: 03.02.2012

Ein kleines Vorwort
Dieser Guide ist für Leute gemacht die sich nicht zu arg mit dem Thema Capsicum befassen möchten, sondern sähen, gießen, ernten und genießen möchten. Warum hier im BBQ Forum? Ganz einfach, weil Bedarf besteht. Es scheint dieses magische Dreieck zu sein, Fleisch--Bier--Chili! Woher habe ich das Wissen? Ich habe kein Biologiestudium angefangen, im Gegenteil, mein Beruf bringt Tod und Zerstörung mit sich. Alle Fragen die hier hoffentlich geklärt werden habe ich mir selber vor kurzem gestellt und habe im Internet die Antworten gesucht und gefunden. Meist in diversen Chiliforen oder bei Wikipedia. Dieser Guide ist quasi eine Zusammenfassung meiner Suche und soll dem ein oder anderen hier im Forum eine lange Suche ersparen. Der Guide wird über eine längere Zeit hier entstehen, also immer mal wieder reinschauen, ganz oben befindet sich das letzte Aktualisierungsdatum.


Ein Capsicum Guide und "regelmäßig gestellte Fragen"

Inhaltsverzeichnis
1) Grundlagen der Pflanzen
2) Capsaicin
3) Königsblüte
4) Aussaat
5) Pikieren (Vereinzeln)
6) Pflege der Pflanzen


1)Die Grundlagen:

Unsere Chili ist nicht weiteres als eine handelsübliche Paprika. Sie alle gehören zur Gattung Capsicum. Alle Capsicum sind Nachtschattengewächse. Genauso wie die Tomate. Tomaten nicht zu nah an die Chilis pflanzen. Ausreichend Platz lassen, Tomatensträucher sind Vielzehrer und würden den Chilis die Nährstoffe entziehen. Diese Gefahr besteht zum Beispiel in Gewächshäusern sehr oft.

Die Capsicum werden in 33 verschiedene Arten unterteilt, 5 Arten davon verputzen wir!

Das sind die Arten der:

C. annuum (Anaheim, Cayenne, Jalapeno, Fresno)
C. chinense (z.T. Aji, Scotch Bonnet, Habanero)
C. frutescens (Tabasco)
C. pubescens (Rocoto)
C. baccatum (viele Aji, Lemon Drop)

2)Capsaicin - Es brennt wie Feuer!
Dieser Satz sagt eigentlich schon alles aus. Verantwortlich für die schärfe einer Beere (Biologisch gesehen sind alle Capsicum Beeren) ist der Gehalt an Capsaicin. Capsaicin wird über kleine Drüsen gebildet und ist in der reinen Form ein Öl. Es befindet sich fast nur an der Plazenta, den Scheidewänden und an den Samen der Frucht. Die Plazenta sitzt oben in der Frucht und je weiter die Entfernung von der Plazenta ist, desto weniger Capsaicin ist vorhanden. Das erklärt wieso scharfe Früchte am Stiel schärfer sind als unten in der Spitze. Also: Um die Schärfe einer Chili zu beurteilen empfiehlt es sich ein Stück aus dem oberen Drittel zu probieren. Das entfernen der Plazenta, der Scheidewände und der Samen mindert die schärfe einer Frucht maßgeblich.

Aber warum jetzt das Feuer? Unsere Geschmacksnerven reagieren auf Reize wie süß, sauer etc. , das Capsaicin hat jedoch nichts mit unseren Geschmacksnerven zu tun, es verursacht einfach nur einen Schmerzreiz bzw. Hitzereiz wie bei einer echten Verbrennung. Wir müssen also verstehen das es sich bei der Schärfe und dem Geschmack der Frucht um zwei verschiedene Sachen handelt. Der Hitzereiz ist nicht zu unterschätzen, regelmäßig werden bei Chiliwettessen Menschen Ohnmächtig. Dies passiert durch eine Selbstschutzfunktion unseres Körpers, wenn der Schmerzreiz zu hoch ist schalten sich unsere Motoren ab.

Fortpflanzung und Keimverhalten
Alle Pflanzen (bis auf 2 Wildformen) haben anfangs den gleichen Weg. Sie alle sind Männlein und Weiblein zugleich. Sie können sich also selbst bestäuben. Im Zimmer reicht manchmal ein kleiner Luftzug oder vorsichtiges Schütteln der Pflanze aus um die Chilis zu bestäuben. Alle Capsicum keimen oberirdisch. Das hat nichts damit zu tun ob der Samen in der Erde ist oder oben drauf liegt. Die oberirdische Keimung sagt aus das die Keimblätter sich erst an der Oberfläche entfalten. Es bildet sich dieser kleine Haken mit der Kugel an der Spitze auf den wir alle warten, von diesem Häkchen aus lösen sich die Keimblätter, und helfen der Pflanze sich zu entwickeln. Später sterben diese Keimblätter ab.

3) Königsblüte
Die Pflanze wächst und wächst und nach frühestens 3 Monaten verzweigt sich der Haupttrieb das erste mal. Genau in dieser Verzweigung bildet sich die erste Blüte. Landläufig sagt man das ein entfernen dieser Blüte (man nennt sie Königsblüte) eine bessere Ernte bringt. Bewiesen ist das bisher nicht. Es gibt nicht zwingend einen Grund die Königsblüte zu entfernen. Auf den Bildern weiter unten erkennt man sehr gut eine violette Verfärbung an der Verzweigung. Dies ist ein natürlicher Schutz vor zu hoher Sonneneinstrahlung. Sehr viele Capsicum zeigen dieses Verhalten.
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Der Werdegang jeder Capsicum ist also gleich, später jedoch unterscheiden sich die Pflanzen durch ihre Größe, Verzweigungen und ganz besonders die Früchte.

Das soll es auch mit den Grundlagen der Pflanzen gewesen sein, wer mehr über die Pflanzen erfahren möchte, findet auf Wikipedia unter dem Stichwort: "Paprika" oder "Capsicum" viele Infos. Ich kann es nur empfehlen, wirklich sehr viel Stoff aber sehr interessant.


4) Aussaat

Wann ist denn die "richtige" Zeit für die Aussaat?
Das hängt nun grundsätzlich von 2 Faktoren ab. Der Sorte und den äußeren Bedingungen.

Jede Capsicum braucht unterschiedlich lange um vollständig zu reifen. Nehmen wir ein paar Beispiele:

- Habaneros um die 55 Tage und je nach Kreuzung bis zu 95 Tage
- Lemon Drop um die 80 Tage
- Jalapeno um die 80 Tage
- Rocoto um die 90 Tage
- Cayenne um die 70 Tage
- Scotch Bonnet bis zu 120 Tage

Das ergibt die logische Konsequenz "schnelle" Sorten können etwas Später in die Erde, "langsame" Sorten sollten möglichst früh gesäht werden. Klar ist, je früher ich eine Capsicum pflanze desto eher kann ich ernten. Es hängt stark vom Aufwand ab den man betreiben möchte. Es gibt prinzipiell nur eine allgemeine Richtlinie für die Pflanzen: Niemals unter 5°C, das ist der Chilitod. Die Pflanzen sind vergleichbar mit dem Weihnachtsstern, selbst der kurze Weg vom Auto ins Haus bei Minusgraden kann tödlich enden. Punkt 1 sollte nun klar sein, wem das noch nicht reicht kann sich auf Anfang März festlegen, dann befindet man sich in einem gesunden Spektrum und kann auch nicht viel falsch machen.

Die äußeren Bedingungen:

Was steht zur Verfügung? Eine Fensterbank mit Südausrichtung? Elektrische Heizmatten? Fensterbanktreibhäuser? Ein Wintergarten? Gar nichts davon?

Es gibt so viele Bedingungen wie es Chilis gibt. Deswegen kann man auch hier nur von ein paar Rahmenbedingungen sprechen. Es gibt nicht die eine Goldrandlösung. Ich werde hier auf das Anziehen mit künstlichem Licht eingehen, alles andere erklärt sich von selbst ---> Dann bitte erst ab Ende Februar / Anfang März beginnen, vorher reicht das Sonnenlicht noch nicht aus. Der springende Punkt ist das optimale Verhältnis von Licht zu Wärme. Mir nutzen keine 28°C im dunkeln, es kann heller sein als die Sonne aber bei 11°C würden die Pflanzen trotzdem nicht wachsen.

Merke: Das richtige Verhältnis von Licht zu Temperatur entscheidet über das gesunde Wachstum der Pflanzen.

Merke: Viel Wärme bei wenig Licht lässt die Pflanzen schnell in die Höhe schießen, man nennt das auch "vergeilen" oder "spargeln", das ist nicht gut für die Pflanzen, sie werden das Gewicht der Blätter nicht lange tragen und knicken um, kurze Zeit später sterben sie dann!

Welche markanten Temperaturen spielen denn überhaupt eine Rolle beim Chilianbau?

Bei 16-32°C hat man die höchste Befruchtungsrate der Blüten
Bei 16-21°C hat man die optimale Blütenbildung
Nachttemperaturen über 24°C , die Blüten werden abgeworfen
Nachttemperaturen über 32°C, Fruchtbildung wird gehemmt
Zwischen 7 und 29°C kann Capsicum ins Freiland
25°C optimale Keimtemperatur

Nun kommen wir an einen Punkt wo sich die Wege vieler Chililiebhaber trennen. Warte ich bis Anfang März und knalle die Samen in die Erde oder starte ich früher mit Hilfe von Heizungen und Lampen?

Meine persönliche Meinung dazu:
Das Anziehen der Pflanzen mit künstlichem Licht ist etwas für Hobbyzüchter die gerne in ihr Hobby investieren. Geld und Zeit. Menschen die einfach nur der Nahrung wegen Chilis anbauen fahren besser wenn sie warten bis Licht und Temperatur von der Natur bereitgestellt werden. Es wird nicht solche gravierenden Unterschiede in der Ernte geben. Man möchte vielleicht einfach nur der erste sein der eine rot gereifte Frucht im Forum präsentiert und freut sich an den Antworten a'la wohnst Du im AKW? Meine haben gerade erst Blüten bekommen etc. Es bsteht einfach der instinktive Reiz der Natur ein schnippchen zu schlagen und das unmögliche Möglich machen. Oder wie Barney es sagte: Es zu Vermöglichen.


Noch ein kleiner Beweis das es nicht soooo dramatisch ist mit der Aussaat. Vielleicht Erinnert sich der ein oder andere noch an mein gebasteltes Anzuchthäuschen im Garten. Dort habe ich im August Capsicum gepflanzt. Im November kamen die Früchte, ende Dezember wurden sie rot und kommende Woche kann ich die ersten ernten. Alles ohne künstliche Beleuchtung.
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Nun legen wir los, der Tag der Tage ist gekommen. Die Prozedur ist die gleiche, egal ob früh mit Heizung, oder später mit Sonnenwärme.

Wir benötigen zur Aussaat primär folgende Utensilien:

- die Samen
- geeignete Anzuchtgefäße
- geeignete Erde
- Wasser
- eine geeignete Gießkanne oder einen Kannenersatz

Vorgehensweise:

Die Samen KANN man in einer Salpeterlösung oder Kamillenlösung einweichen, die Meinungen der Dauer reichen von 20 Minuten bis zu 48 Stunden. Ich habe es selber noch nicht gemacht da es mir persönlich egal ist ob meine Samen am achten oder neunten Tag keimen. Hauptsache sie machen es. Durchaus üblich sind sogenannte Keimteste. Dann werden im Vorfeld eine bestimmte Zahl Samen feucht und warm gehalten und man achtet darauf wie viele Samen keimen. Ich halte 5 Samen warm und feucht, einer keimt. Also jeder fünfte. Ich möchte 10 Pflanzen haben, also sollte ich 50 Samen sähen. Ist eher etwas für Leute die eine bestimmte Zahl von Pflanzen haben möchten.

Welche Samen soll ich nehmen? Es sollten Sortenreine Samen sein die nicht fremdbestäubt wurden, mehr dazu gleich. Selbst getrocknete Samen nur aus reifen Früchten beziehen. Reif bedeutet ROT. Also Finger weg vom Nachbarn im Kino wenn er seine Nachos mit Jalapenos futtert. Die sind Grün. Das klappt nicht mit dem trocknen. Anders verhält es sich mit frischen Samen, die können durchaus von grünen Früchten Stammen. Also Jalapenos im Edeka kaufen, aufschneiden, Samen in die Erde und ab geht die wilde Fahrt.

Fremdbestäubt? Alle Deine Chilis stehen zusammen auf der Terrasse in der Sonne und wachsen wie der Teufel, ein kleiner Windstoß rappelt an den Pflanzen. Der Blütenstaub von Chili A landet in der Blüte von Pflanze B. Pflanze B nimmt dieses Geschenk an und produziert eine Frucht. Die Frucht bleibt die gleiche aber der Samen kann sich ändern. Im Folgejahr kann dieser Samen dann eine Kreuzung aus A und B sein. A war scharf und B war mild.... wenns dumm läuft ist B dann im nächsten Jahr auch scharf. Und ich möchte nicht meiner Frau erklären warum unsere Paprika die Schärfe einer Habanero hat. Wobei letzteres nicht gehen würde, aber dafür muss man sich Kreuzungstabellen ansehen. <-- Tipp

Die Anzuchtgefäße werden mit Erde gefüllt. Prinzipiell ist es der Chili egal in welchem Boden sie wächst, die sind da nicht so empfindlich. Es hat sich aber herausgestellt das man mit lockerer guter Anzuchterde die besten Ergebnisse erzielt. Die Erde sollte von guter Qualität sein, nicht der billig Sack aus dem Supermarkt. Nicht erschrecken wenn sich in der Erde kleine weiße Knubbel befinden. Das ist kein Styropor. Es handelt sich um Perlite, einem behandelten natürlichen Produkt aus Vulkangestein. Es sorgt dafür das die Erde schön locker bleibt. Vorsicht Sparfüchse: Perlite werden auch zur Dämmung eingesetzt und man bekommt die Säcke für wenig Geld in Baumärkten, oftmals sind diese Perlite dann aber mit Kunststoff überzogen und eigenen sich nicht für unseren Zweck. Augen auf beim Säckekauf.

Merke: Die Erde in der unsere Schützlinge keimen sollen, sollte Nährstoffarm sein. Also Anzuchterde oder alte Erde wo vorher mal Tomaten standen, auf keinen Fall jetzt schon Dünger einbringen.
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Anzuchtgefäße... es eignet sich fast alles. Wichtig ist jedoch das überschüssiges Wasser ordentlich abfließen kann. Denn wenn die Chilis eins nicht mögen, ausser kälte, dann ist es Staunässe. Ich nutze Kunststoffanzuchtschalen und einzelne kleine Anzuchtbecher. Ein großteil aller Chilibauern schwört auf Quelltöpfe. Aber die aus Kokos und nicht aus Torf. Mit diesen Quellern habe ich noch keine Erfahrung gemacht, kann jedoch sagen das diese kleinen Torfgefäße a'la Eierkarton in meinen Augen nichts taugen. Sie neigen zu sehr zur Schimmelbildung trotz ausreichender Belüftung.
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Wenn die Gefäße mit Erde gefüllt sind ein kleines Loch in die Mitte machen, man sagt das die Samen zwischen 5 und 10 mm unter die Erde sollen. Loch schließen und gießen.... aber Voooooorsichtig! Sonst spült man sich den Samen schneller wieder heraus als man Aji sagen kann. Ich verwende zum "gießen" ein altes Quietscheentchen, nein ein Quietschekrokodil. Das geht einfach Klasse find ich. Ob es eine professionelle Gießhilfe für Anzuchtpflanzen gibt kann ich nicht sagen, da mein Krokodil einfach perfekt zum feucht halten der Gefäße geeignet ist.

Nun heisst es warten. Merke: Licht spielt in dieser Phase KEINE Rolle. Es geht sich nur um die Temperatur. 25°C ist optimal zum keimen. Es geht aber auch bei 22°-27°C ganz gut eigentlich. Wenn der Keimling draussen ist entfalten sich die beiden ersten "Blätter" die aber in Wirklichkeit keine sind. Es folgen 2 weitere Blattpaare und dann wird pikiert. Es sind also 6 für uns Laien sichtbare Blätter vorhanden bevor wir pikieren. Dazu aber später mehr.

In der Keimphase sollte man auf folgendes Achten: Ein kleines Dach über den Anzuchtbechern hilft beim keimen denn sie halten die Feuchtigkeit schön innen. Das mögen Samen ganz gerne. Aber leider auch Schimmel. Also regelmäßig lüften. Mehr gibt es in dieser Phase nicht zu tun. Sollte sich etwas in einem der Gefäße bilden, nicht anfassen. Einfach in Ruhe lassen. Die Keimlinge sind einfach zu empfindlich.

Bis zur Keimung dauert es zwischen 3 Tage und (bei manchen Habaneros sogar bis zu) 4 Wochen.

Fazit Aussaat: Samen in die gute Erde, 5 bis 10 mm tief, ganz vorsichtig gießen, Staunässe vermeiden, feucht und warm halten 25°C optimum, in Ruhe lassen, noch mehr in Ruhe lassen, regelmäßig lüften, in Ruhe lassen.


5) Pikieren

Pikieren ist nichts weiteres als das "vereinzeln" der kleinen Pflanzen. Es stammt eigentlich erst aus der Zeit in der man begonnen hat viele Samen auf kleinem Raum zu sähen. Zum Beispiel 120 Pflanzen auf gerade mal 1 m². Dadurch spart man sich unheimlich Heiz bzw. Stromkosten. Große Gärtnereien noch um ein vielfaches mehr.

Man kann aber auch zum Beispiel 4 Samen in einem 10cm Topf sähen, dann muss ebenfalls pikiert werden.

Die Pflanzen auf dichtem Raum wachsen nicht nur nach oben, auch die Wurzeln werden größer. Man sagt das die Chilis mit dem 2ten echten Blattpaar (6 sichtbare Blätter für uns) pikiert werden können. Sie werden vorsichtig aus der Erde geholt (nicht herausziehen!) und in ein größeres Behältnis gesetzt. Zum Pikieren eignen sich Gabeln oder aber natürlich auch Pikierwerkzeuge. Die pikierten Pflanzen leicht andrücken und angießen. Fertig.

Ich persönlich werde die Finger vom pikieren lassen, ich habe für sehr wenig Geld (6€ / 100 Stk.) kleine Blumentöpfe bestellt. Sobald die Töpfe zu klein für die Pflanze sind hole ich die gesamte Chilli mit Wurzelballen heraus und pflanze sie in ein größeres Gefäß. Das wäre dann Umtopfen.

Welche Erde nach dem pikieren / umtopfen? Jetzt können die Pflanzen in richtige Erde gesetzt werden und anfangen die Nährstoffe zu saugen.

Wie oft sollte die Pflanze den Topf wechseln? Eigentlich immer dann wenn der derzeitige Wohnort zu klein ist. In meinem Fall (ich verwende 6cm Töpfe für das Keimen) erst wenn die Pflanze so groß ist das die Wurzeln gegen den Rand stoßen. Das kann auch nach 5 oder 6 Blattpaaren sein. Dann wandern die Chilis in 12cm Töpfe und abschließend in 22er Töpfe. Warum nicht gleich in 22er Töpfe? Weil der 22er Topf nicht ausreichend mit Wurzeln gefüllt wird bei so kleinen Pflanzen, dann neigt die Erde schnell zum Verfaulen / Umkippen. Weil niemand da ist der die Feuchtigkeit aus der Erde ziehen kann.


6) Pflege der Pflanzen

Wenn die Bedingungen zum Keimen erfüllt worden sind sollten Deine Pflanzen nun ungefähr so aussehen.
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Zu diesem Zeitpunkt kannst Du noch nicht viel für die Chilis machen, bei mir bekommen sie zwischen 12 und 14 Stunden lang Licht. Ich beleuchte mit 3 mal 18 Watt 865er Energiesparlampen. Nachts kommen die Pflanzen aus dem Licht und stehen bei 16-20°C im Zimmer. Bei schönem Wetter stelle ich die Pflanzen ein wenig ans Fenster damit sie etwas natürliche Sonne tanken können, das mindert die Gefahr eines Sonnenbrand wenn sie endgültig nach draussen in die Sonne kommen.

Bewässern ja, schwimmen nein. Das ist auch schon alles. Die Erde sollte leicht feucht gehalten werden. Es gilt das gleiche wie bereits geschrieben, Staunässe vermeiden.





Bald geht es weiter!
Zuletzt geändert von Fairbanks BBQ am 03.02.2012, 23:03, insgesamt 23-mal geändert.
Gruß Ingo

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21.01.2012, 19:15

Vielen Dank für die Mühe... ich harre der Vorsetzung :respekt:
Wenn Gott gewollt hätte, dass wir keine Tiere essen sollen, hätte er sie nicht aus Fleisch machen sollen

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22.01.2012, 10:19

:twothumbs:

Manfred :cheers:
LG Manfred :cheers:
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22.01.2012, 10:53

...wirklich schöner Beitrag! =D>
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22.01.2012, 10:55

:twothumbs: für den Chili Guide, ne echt gute Idee. Wir wollen dieses Jahr auch mal welche Anpflanzen. Mal sehen was draus wird.
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22.01.2012, 15:41

Fairbanks BBQ hat geschrieben:Letztes update: 21.01.2012

Ich habe kein Biologiestudium angefangen, im Gegenteil, mein Beruf bringt Tod und Zerstörung mit sich.

Err...was machst du denn beruflich? :pfeif:
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22.01.2012, 22:09

:-$ Ich betreue die Avionikanlagen in Kampfflugzeugen
Gruß Ingo

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23.01.2012, 08:08

Erst einmal vielen Dank für deine Mühen. Das ist für Leute wie mich wirklich fantastisch. =D> Ich habe den berühmten braunen Daumen und kriege nahezu jede Pflanze irgendwie klein. Aber gut, dass du schon nach deinem Beruf gefragt würdest. Das hätte mich auch interessiert.
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24.01.2012, 16:50

Diesem Fred habe ich nichts hinzuzufügen. [-(


Ausser; Bitte weitermachen. :rules: :Daumen:



Viele Grüße aus Hessen. :winke:

:cheers:
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25.01.2012, 01:44

Super Ingo :twothumbs:

Dem ist nichts hinzuzufügen :cheers:
Wenn es im Himmel kein Fleisch und kein Metal gibt, dann möchte ich dort nicht hin.
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03.02.2012, 23:06

Danke euch allen für den durchwegs positiven Zuspruch, das animiert auf jeden Fall zum weitermachen!!!
Gruß Ingo

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23.04.2012, 17:05

Schöner Bericht wann gehts dann weiter?? :twothumbs:
"Ich trinke Bier nur an Tagen die mit 'g' enden. Und Mittwochs"
Infos meiner Edelstahlteile hier! http://www.kettesgrillshop.com/
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23.04.2012, 22:15

Kettenmanni hat geschrieben:Schöner Bericht wann gehts dann weiter?? :twothumbs:
Es wird wohl noch ein paar Tage dauern bis das Wetter richtig mitspielt, ich gehe davon aus das es Mitte Mai ein großes update geben wird. Und ein paar Edits in dem bisher geschriebenen.... man lernt nie aus.
Gruß Ingo

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29.10.2013, 08:18

Ingo, wenn ich die Pflanzen direkt im März aussähe, könnte ich dann auf ein vorhandenes Beet einfach Anzuchterde schmeissen und die Samen darein packen? Oder mache ich es mir damit zu leicht?
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29.10.2013, 16:47

Firedancer hat geschrieben:Ingo, wenn ich die Pflanzen direkt im März aussähe, könnte ich dann auf ein vorhandenes Beet einfach Anzuchterde schmeissen und die Samen darein packen? Oder mache ich es mir damit zu leicht?
Auch das hängt stark von den Pflanzen ab, ich behaupte aber mal das es Probleme geben wird. Von 50 Samen wird sicherlich der ein oder andere keimen aber die Bedingungen dazu sind eher schlecht auf diesem weg.

Selbst wenn viele Pflanzen keimen sollten reicht ein einziger Nachtfrost und die Pflanzen sind hin.

Ich schlage Dir vor die Pflanzen im Haus vorzuziehen. Auf einer Fensterbank und dann später in das Beet Pflanzen. Zum Keimen an einen warmen Ort stellen und sobald die Pflanze da ist an einen etwas kühleren Ort mit möglichst viel licht stellen, dann spargelt sie nicht so sehr.
Gruß Ingo

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